Notstand im Sinne des BGB rechtfertigt nur Sachbeschädigungen

Prof. Böckenförde stellt in seinem Aufsatz, den wir hier am Sonntag auszugsweise wiederveröffentlicht hatten, klar dass der rechtfertigende Notstand gem. § 34 StGB keine Ermächtigungsnorm für den Staat ist, sondern „eine Begrenzungsnorm für den Zugriff staatlicher Strafgewalt auf die einzelnen“ ist:

„Jedenfalls handelt es sich bei § 34 StGB um eine Begrenzungsnorm für den Zugriff staatlicher Strafgewalt auf die einzelnen, seien sie davon als Privatpersonen oder als staatliche Amtsträger – bei Amtsdelikten – betroffen. Der Normbebereich des § 228 BGB ist weit begrenzter. Er ist bezogen nur auf Sachen und auf den Ausschluß der Rechtswidrigkeit im Hinblick auf Ersatzansprüche für Beschädigung oder Zerstörung.“

Aufgrund eines diesbezüglich an uns herangetragenen Interesses sei hier auch noch der Text des von Böckenförde erwähnten § 228 BGB dokumentiert:

㤠228 Notstand
1Wer eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, um eine durch sie drohende Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht widerrechtlich, wenn die Beschädigung oder die Zerstörung zur Abwendung der Gefahr erforderlich ist und der Schaden nicht außer Verhältnis zu der Gefahr steht. 2Hat der Handelnde die Gefahr verschuldet, so ist er zum Schadensersatz verpflichtet.“

Aus dieser Beschränkung auf die Beschädigung oder Zerstörung von Sachen dürfte zu schlussfolgern sein, dass wer gemäß § 34 StGB wegen Körperverletzungen und Tötungsdelikten von strafrechtlicher Verantwortung frei bleibt, dennoch gemäß § 823 BGB (ggf. gegenüber den Hinterbliebenen) zivilrechtlich schadensersatzpflichtig bleibt:

㤠823 Schadensersatzpflicht
(1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.
(2) 1Die gleiche Verpflichtung trifft denjenigen, welcher gegen ein den Schutz eines anderen bezweckendes Gesetz verstößt. 2Ist nach dem Inhalt des Gesetzes ein Verstoß gegen dieses auch ohne Verschulden möglich, so tritt die Ersatzpflicht nur im Falle des Verschuldens ein.“

Für sachkundige Hinweise / links wären wir dankbar.